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Vom Unterseeboot bis zur Fiebermessung
Leibniz wird heute noch als Vordenker der Mathematik und Elektronik bezeichnet. In
vielen Nachschlagewerken werden eine Reihe seiner Erfindungen und Entdeckungen
verschwiegen. Oft sogar mit Absicht. Eine vollständige Aufzählung würde Platzprobleme
verursachen. Um nur Schlaglichter zu setzen: Der Mann
- kümmerte sich um Pläne für ein Unterwasserboot,
- verbesserte die Technik der Türschlösser,
- erfand ein Gerät zur Bestimmung der Geschwindigkeit des Windes,
- riet den Ärzten, bei Kranken regelmäßig die Körpertemperatur zu messen (was damals
noch keine Selbstverständlichkeit war),
- betrieb die Gründung einer Witwen- und Waisenkasse,
- brachte lange vor Siegmund Freud den Beweis für das Unterbewußtsein des Menschen,
- entwickelte ein Instrument zum Absaugen des Grubenwassers und
- erfand die Infinitesimalrechnung und das mit 29Jahren.
Die Infinitesimalrechnung - auch Unendlichkeitsrechnung genannt - erklärte Leibniz an
einem Tintenklecks. Die Fläche dieses Kleckses sollte berechnet werden. Das war
unmöglich. Bis Leibniz auf die Idee kam, die Fläche in unendlich kleine Einheiten
aufzulösen. Also: Die Fläche läßt sich zuerst einmal in kleinere Flächen auflösen.
Bestes Beispiel dafür ist ein Rechenpapier, das in Kästchen eingeteilt ist. Ein
Tintenklecks auf diesem Papier bedeckt eine bestimmte Anzahl der Kästchen. Diese Fläche
läßt sich bestimmen. Aber es gibt auch Kästchen, deren Fläche von den Konturen des
Kleckses nur angeschnitten sind. Die Fläche dieser angeschnittenen Kästchen läßt sich
nicht genau bestimmen.Leibniz hat nun mit Hilfe der von ihm erfundenen
Infinitesimalrechnung gedanklich die Fläche der Kästchen so stark verkleinert, bis es
keine Kästchen mit angeschnittener Fläche mehr gibt. Die Infinitesimalrechnung arbeitet
mit Kästchen, die optisch nicht mehr wahrnehmbar und nur noch mathematisch erfaßbar
sind.
Was für ein Mensch war nun dieser Gottfried Wilhelm Leibniz, der - und das muß seiner
Vita vorangestellt werden - sein phänomenales Gedankenwerk der Welt auf 75 000 Zetteln
hinterlassen hat? In Stichworten:
- Am 21. Juni 1646 in Leipzig geboren.
- Mit 14 Jahren wird der seinen Altersgenossen geistig weit überlegene Knabe an der
Universität eingeschrieben.
- Mit 20 will er zum Doktor der Rechte promovieren. Doch das schreckt das ältere
Establishment an der Universität. Die Professoren lehnen ihn als zu jung ab.
- Was ihm in Leipzig verwehrt wird, holt das Genie an der Universität von Nürnberg nach.
Das Universalgenie litt an Minderwertigkeitskomplexen und war so auch nicht in der
Lage, seine Fähigkeiten in klingende Münze umzuwandeln. Sein sächsischer Akzent und ein
sehr offenkundiger Sprachfehler schwächten sein Selbstvertrauen. Dazu kamen optisch etwas
ungünstige Körpermaße, die seine Arme und Füße zu kurz erscheinen ließen.
- Leibniz starb 1716. Seine letzten Jahre quälte ihn die Gicht.
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